Jeden 8. März feiert die ganze Welt den Weltfrauentag. Momentan frage ich mich allerdings, was es da zu feiern gibt.

Ich könnte über irritierende Gruppenfotos von Wirtschaftsunternehmern sinnieren. Oder über afghanische Frauen berichten, die im vergangenen Jahr einen Großteil ihrer Rechte eingebüßt haben. Davon abgesehen steht mir der Sinn angesichts der aktuellen, politischen Lage eigentlich zu überhaupt keinem Blogpost.

Aber der Tag ist wichtig. Deshalb möchte ich über uns Mütter schreiben, denn das ist ganz nah an meiner Lebenswelt dran. Und nein, hier geht es heute nicht über’s Nähen und Selbermachen.

Wir Mütter sind alle mutig. Schaut man sich eine der Definitionen zum Wort »Mut« an, findet man sich da durchaus wieder:

[grundsätzliche] Bereitschaft, angesichts zu erwartender Nachteile etwas zu tun, was man für richtig hält

www.duden.de

Das gilt natürlich in einigen Bereichen genauso für Väter. Doch heute ist Weltfrauentag, und allzu oft wird das, was Mütter jeden Tag leisten und in Kauf nehmen, unter den Teppich gekehrt. Deshalb sind Mütter echte Heldinnen!

Mütter in der Teilzeit-Falle

Laut eines Reports des Wirtschafts- und Sozialwissenschaftlichen Instituts (WSI) vom Februar 2022 sind wir noch lange nicht da, wo wir sein sollten. Die Diskrepanz, wie viele Frauen und wie wenig Männer ihren Vollzeitjob an den Nagel hängen, sobald Kinder da sind, ist immer noch riesig.

Elternschaft wirkt sich vor allem auf den Erwerbsumfang von Frauen aus: Ohne Kinder arbeiten 63 Prozent der Frauen aus Zweiverdiener-Paarhaushalten in Vollzeit (sowie 93 Prozent der Männer). Wenn Kinder vorhanden sind, sind dies nur 29 Prozent der Frauen (aber weiterhin 94 Prozent der Männer).

Report des WSI

Vollzeit/Teilzeit als Erwerbsmodell in Familien

Eine solche Ungleichheit zwischen Müttern und Vätern wird übrigens als Gender Gap bezeichnet – also der Unterschied in der Gleichstellung zwischen den Geschlechtern.

Die Ursache liegt vor allem darin, dass in vielen Fällen noch immer Männer mehr als Frauen verdienen. Deshalb ist das eigentliche Problem die Einkommenslücke zwischen den Geschlechtern: der Gender Pay Gap. Ganz unabhängig von den Gründen für diese Einkommensverteilung, endet das irgendwann immer als Rentenlücke, dem Gender Pension Gap.

Wer sich für den Gender Pay Gap interessiert, kann sich gerne diese beiden Pressemeldungen des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung e.V. (DIW) mal durchlesen:

Corona und die Gleichstellung

Die Ausgangslage ist also nicht wirklich so rosig wie sie im 21. Jahrhundert sein sollte. Und dann kommt da eine Pandemie daher.

Nach meinem Maskentutorial von 2020 dachte ich, dass ich hier nie wieder über Corona schreiben würde. Aber irgendwie zieht sich diese Pandemie wie Kaugummi. Und diese Krise hat uns leider deutlich gezeigt, dass Deutschland in Sachen Gleichstellung keine moderne Gesellschaft ist.

Wer hat in den Zeiten von Kita- und Schulschließungen das Homeschooling gestemmt? Wer puffert auch jetzt noch die coronabedingten Fehltage der Kinder ab? Und wer verpasst deshalb auf beruflicher Ebene weiter den Anschluss?

Im Report des WSI findet man auch Zahlen über die Aufteilung der Care-Arbeit für unsere Kinder:

Kinderbetreuung während Corona

Frauen übernehmen nach wie vor den größten Teil der Kinderbetreuung. Dies hat sich auch während der Pandemie fortgesetzt. Die partnerschaftlich geteilte Zuständigkeit für die Kinder ging während der Corona-Pandemie sogar zurück.

Report des WSI

Auch wenn Väter im ersten Lockdown zwar mehr als vorher unterstützten, sind die Zahlen doch ziemlich erschreckend. Du ahnst es schon: Als letzter Punkt kommt hier noch der Gender Care Gap zu den ganzen Gaps von oben dazu.

Wer sich den kompletten WSI-Bericht „Stand der Gleichstellung von Frauen und Männern in Deutschland“ reinziehen will: Hier geht’s zum 50-seitigen PDF mit jeder Menge gut aufbereiteter Zahlen.

Mental Load. Oder: Das bisschen Haushalt

Bleiben wir bei Anglizismen: Hast du schon von Mental Load gehört?

Mental Load bezeichnet die Last der alltäglichen, unsichtbaren Verantwortung für das Organisieren von Haushalt und Familie im Privaten, das Koordinieren und Vermitteln in Teams im beruflichen Kontext sowie die Beziehungspflege und das Auffangen der Bedürfnisse und Befindlichkeiten aller Beteiligten in beiden Bereichen.

www.equalcareday.de

Oder auch: Wer denkt rechtzeitig an den Arzttermin? Wer achtet darauf, ob die Schuhe wieder mal zu klein geworden sind? Wer verabredet die Kinder und organisiert ihre Nachmittagsaktivitäten?

Und auch wenn im Lockdown einiges davon wegfiel, kam jede Menge Neues dazu. Selbstfürsorge kam da meist zu kurz.

Der Stresslevel von Müttern ist im Vergleich zu Vätern rasant und anhaltend nach oben geschnellt. Das liegt unter anderem auch daran, dass an Müttern meist die gesamte Organisationsarbeit hängen bleibt.

Jutta Allmendinger, Soziologin (Interview auf spiegel.de)

Wer da nicht rechtzeitig einen Anker setzt, kann auf schnellstem Weg im Burn-Out landen. Dazu braucht man nämlich keinen anspruchsvollen Erwerbsjob. Sorgearbeit ist komplex genug, um uns an unsere Grenzen zu bringen.

Bei Equal Care Day findest du übrigens ein PDF, mit einem Ankreuz-Test zum Herunterladen: Load@home – Der Mental Load-Test für die Haus- und Familienarbeit.

Werde dir bewusst, was alles auf deinen Schultern lastet. Nur so kannst du die Menge so verteilen, dass du sie dauerhaft tragen kannst. Kümmere dich jetzt um dich selbst – und nicht erst im nächsten Urlaub!

#BreakTheBias

Der internationale Weltfrauentag 2022 steht dieses Jahr unter dem Motto #BreakTheBias. Auf deutsch klingt es etwas ungelenk: Zerbreche die Vorurteile!

Celebrate women’s achievement. Raise awareness against bias. Take action for equality.

www.internationalwomensday.com

 

Fang im Kleinen mit Taten zur Gleichberechtigung an, denn auch das erfordert manchmal Mut: Thematisiere Gender Gap und Mental Load in deinem Freundeskreis und frage nach, wie es in anderen Familien aussieht. Vielleicht sucht jemand ein offenes Ohr. Oder jemand hat einen guten Rat für dich.

Mir ist klar, dass das nicht die Welt verändert. Aber fast immer braucht es einen ersten Schritt, um etwas Größeres zu bewegen.

Beitragsreihe der Ebookmacher

Die Ebookmacher – mutige Frauen ermutigen Frauen

Wie wichtig der Austausch nicht nur in beruflichen Belangen ist, sehe ich immer wieder bei den Ebookmachern.

Ein Ergebnis dieser Zusammenarbeit ist zum Beispiel die Beitragsreihe »mutige Frauen ermutigen Frauen« – mit vielen Themen rund um Women’s Empowerment. Diese Reihe ist entstanden, weil sich viele von uns engagiert zu diesem Thema einbringen wollten.

Im Ebookmacher Blog findest du eine Linkliste mit allen Beiträgen. Klick dich gerne mal durch.

So bekommt der Blogpost ganz am Ende doch noch irgendwie die Kurve zu Selbstgemachtem – oder zumindest zu Selbermachern.

Danke, dass du fleißig bis zum Schluss gelesen hast. #BreakTheBias

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